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Sandra Jung

derTraumpartner.de

Alles ist durchorganisiert, die Zeit knapp – rationalisiert, alles ist planbar – auch die große Liebe im Zeitalter des Internets und Online-Datings. Die Partnerwahl ist nicht mehr Sache des Individuums, sondern wird vertrauensvoll dem Computer überlassen: Die von Expertenteams entwickelten Persönlichkeitstests schließen Zufallsbegegnungen aus. Kompatibel als Partner ist, wen der Computer aus Ergänzungs- und Differenzierungskriterien errechnet. Aus Tausenden sich nach Liebe sehnenden Teilnehmern wird durch diese psychologischen Analysen bereits eine Vorauswahl getroffen. Der oder die Passende wird durch sogenannte Matching Points ermittelt. Die magische Zahl. Je höher die Zahl, desto aussichtsreicher die Liebeschance. Wer erstmalig durch diesen Filter geht, läuft Gefahr überfordert zu werden. Ein überwältigendes Angebot an liebeswilligen Kandidaten tummelt sich auf dem Bildschirm. Doch wie mit dieser ungeheuren Auswahl an potentiellen Kandidaten umgehen?

Melanie, die Alltagsheldin einer Serie von Erzählungen über das schwere Finden und das schwierige Verlieren – nicht der Liebe – sondern aller Illusionen, muss erfahren, dass eben nicht alles planbar ist. Dass die Liebe sich der Rationalisierung und Organisation entzieht. Das erste Amüsement beim Lesen dieser Geschichten weicht aber des Öfteren auch einer Art Beklommenheit und der bangen Frage: Bin ich mit meinen Sehnsüchten und Vorstellungen von einer romantischen und erfüllten Beziehung nicht auch so? Anteilnahme an Melanies Schicksal macht den Leser sowohl zum Komplizen als auch die Lektüre zu einem Prozess der Selbstbefragung.

„Der Stehgeiger schlug zu. Die Uhr tickte. Aber die Zeit selbst hatte sich irgendwo im Raum verhakt, war in einer zeitlosen Warteschleife gefangen. Und so saßen sie sich gegenüber, in einem schmucklos nüchternen Café. Die Kälte aus dem Aluminium der Stühle kroch ihnen an Hintern und Rücken entlang. Suchte sich einen Weg durch die Kleidung, stieß auf Haut und begehrte Einlass durch die Poren. Melanie und der Stehgeiger. So charmant und hübsch sei sie und so nett, so eine Nette halt – dabei schliff er die Konsonanten mit der Zunge so flach, dass die Worte wie abgelutschte Sahnebonbons zwischen seinen schiefen Zähnen herausrutschten. Dialektale Verfärbung durch Lautverschiebung. Da waren auch Zahnärzte machtlos. (...)"

Ungekürzte Lesung der Originalausgabe des Griot Verlags

Regie: Wolfgang Stockmann

Geplantes Erscheinungsdatum (ca.): 21.06.2012